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Saisonstart für Thomas Piedes Heißluftballon, der in diesem Jahr wieder mehr Passagieranfragen hat
Einen Korb von Herzog Thomas bekommt die Damenwelt vergleichsweise gern. Bedeutet es doch, dass sie in die „Kabine“ des Heißluftballons einsteigen und abheben darf. Thomas Piede, seit 15 Jahren Ballonpilot und als solcher geadelter „Herzog, standhaft-eiskalter Luftritter über dem Havelland“, lässt seit zwei Wochen wieder einspannen. Zum Saisonstart hat sein „Fahrzeug“ eine neue Haut bekommen, wie die Vorgängerhülle bestückt mit dem BMW-Logo und, das ist neu, dem Schriftzug des Autohauses Wernecke. Der Kfz-Händler ist Werbepartner des Ballonfahrers. Die ersten Starts hat der gemächliche Himmelsstürmer schon absolviert, musste aber auch einige Male am Boden bleiben, weil das Wetter nicht mitspielte.






Der Blick zum Himmel ist Pilotenroutine. Auf Wind- und Wettervorhersage verlässt sich Thomas Piede nur bedingt. „Meteorologen können irren“, sagt er, relativ ernst. Hie und da hat er in der Vergangenheit eine Fahrt, der Ausdruck „Flug“ ist unter Ballonieren verpönt und wird streng gerügt, abgesagt – und sich hernach geärgert, „weil ein Start doch möglich gewesen wäre“. Mittlerweile setzt sich des Piloten Gespür für Zwischenhochs durch. Auch jetzt. Obwohl eine massige graue Wolkenwand den Horizont einnimmt, ist Thomas Piede gut gelaunt: „Es sieht noch nicht danach aus, aber ich denke, wir können später starten.“

Fünf Gäste fasst der Korb, die meisten haben die Reise aus der Vogelperspektive geschenkt bekommen. „In diesem Jahr sind es wieder mehr Anfragen“, freut sich der Pilot. Nach dem Ballon-Boom Ende der 1990er Jahre hielten sich die Gäste seitdem ziemlich zurück. In den vergangenen drei Jahren sei die Zahl der Fahrten auf einem Level geblieben, resümiert Piede. Er selbst hat 1992 seine Liebe zu den feuerspeienden Riesen entdeckt. Damals zog ein Tross internationaler Pilotenteams mit seinen Heißluftballons durch die neuen Bundesländer, auch über Dahmeland hinweg. Für ein belgisches Team war Thomas Piede als „Verfolger“ im Einsatz, so heißt der Bodenmann, der den Ballon im Auge behält, im Auto verfolgt und nach der Landung Fahrzeug und Korbinsassen zum Ausgangspunkt der Reise zurückbringt. „Damit hat alles angefangen“, sagt der 45-Jährige, „zuerst war es die blanke Faszination.“

Ein Jahr darauf drückte der gelernte Stahlbauschlosser im fränkischen Bamberg die Schulbank – für die Pilotenlizenz. Flugstunden nahm er bei einem Lehrer im Havelland. Der hat ihn auch getauft, so ist aus dem Dahmeländer kurzzeitig ein Ritter über dem Havelland geworden. Der Adelszusatz „eiskalt“ erinnert daran, dass die Taufe im Winter stattfand.

Ballonfahren ist nämlich nicht nur ein Hobby für laue Sommertage: „Im Januar sind wir in Oberstdorf gestartet, auch mit Gästen aus Königs Wusterhausen, die einen Blick über die Alpen riskieren wollten“, erzählt der Pilot. Wie er das Panorama der verschneiten Gipfel von Nebelhorn und Co. vor sich sieht, leuchten seine Augen. „Das war eine richtig tolle Fahrt, bis auf 3700 Meter Meereshöhe waren wir.“ Im heimischen Revier in Brandenburg ist indes bei 750 Metern Höhe Schluss, das verordnet die Nähe zum Flughafen Schönefeld. Ihre exakte Reiseroute kennen die Gäste vorab nicht, und versprechen will der Pilot nichts: „Man weiß beim Start nicht, wo man landet. Richtig lenken lässt sich so ein Ballon nicht.“ Vielmehr steuern ihn die unterschiedlich warmen Schichten der Luft. Indem Thomas Piede die Luft in der Ballonhülle mit dem Propangasbrenner erwärmt, kann das wuchtige Fahrzeug langsam aufsteigen – schweigt der Brenner, sinkt der Ballon. Beim Landeanflug setzt der Pilot beides abwechselnd ein. Die Ausnahme von der Regel ist ein „Kaltabstieg“, bei dem der Brenner aus bleibt. Dann sind aber keine Fahrgäste an Bord.



Für sie gilt: Beim Landen in die Knie gehen, das federt das Aufsetzen des Korbes ab. Den Rest macht der Pilot. „Dass der Ballon steigt oder sinkt, merken die Passagiere kaum“, sagt Piede. Auch beim Thema Höhenangst winkt er ab. „Ballonfahren fühlt sich an wie Fliegen im Flugzeug“, ruhig, reglos, fast ohne Geräusch. Am lautesten faucht der Brenner. Die längsten Touren, wenn der Wind gut bei Puste ist, unternimmt Thomas Piede Richtung Fürstenwalde, vorbei am Tropical Islands, in dessen Innerem auch schon einer seiner Ballons „stand“. Damals war es noch die Cargolifter-Halle und der Ballon, überrascht von einem Regenguss, suchte trockene Zuflucht.




Link: HOBBY: Der gemächliche Himmelsstürmer




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